INFO-BRIEF 13 / 06

 

 

Kiel im Dezember 2006

 

Hallo,

 

ich bin wieder heil hier in Kiel gelandet. Der 4-wöchentliche Aufenthalt in der Reha-Klinik Borkum Riff (www.klinik-borkum-riff.de) hat mir gut getan. Ich war ja schon mit vollständig geheilter Haut dort hingefahren, so dass ich nur noch entspannen und genießen konnte. Sowohl das Pflegepersonal als auch das Küchenpersonal war sehr nett und freundlich. Die Verpflegung war grandios, wie in einem 5-Sterne-Hotel.  

 

In dieser Klinik gibt es zwei Patienten-Bereiche: Hauterkrankungen und Atemwegserkrankungen. Die meisten Patienten hatten gravierende Probleme. Natürlich konnte ich nicht das Merkblatt über das Gebet wie ein Flugblatt an die Patienten verteilen, obwohl ich das liebend gern getan hätte. Ich bin aber mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen. Diejenigen, die sehr betrübt darüber waren, dass auch die Rehabilitation (bloß nicht KUR sagen!) keine Verbesserung der gesundheitlichen Situation gebracht hat, erzählte ich davon, dass man auch selbst etwas tun könne und gab ihnen das Merkblatt, von dem ich immer 2 Stück in meiner Hosentasche hatte. Ich musste 2x weitere Kopien machen, es waren sicher ca. 40 Merkblätter, die ich verteilt habe.

 

Nun ja, was die Menschen jetzt mit der Information anfangen, bleibt ihnen überlassen. Sehr schnell war ich „Der mit dem Lot um den Hals“. Allein darauf haben mich viele angesprochen. Natürlich habe ich ihnen geduldig alles, was mit dem Lot zu tun hat, ausführlich erklärt. Für 2 Patientinnen habe ich die Nahrung ausgelotet. Sie waren erfreut, dass sie fortan nicht nur von Wasser und Brot leben mussten.  

 

Die Patienten dort waren eine Fundgrube für jeden Psychologen. Viele hatten sehr tiefgehende Probleme und wollten sie loswerden, taten auch alles dafür. Einige andere scherten sich keinen Deut um ihre Gesundheit. Schwer Asthma, konnten kaum noch japsen, aber alle halbe Stunde raus aus der Klinik, fast 300 m bis auf die Straße zum zugigen Raucherpavillon, wo sie den Unbilden der schweren Witterung gnadenlos ausgesetzt waren. In der Klinik und auf dem gesamten Klinikgelände ist strengstes Rauchverbot. Eine Patientin versuchte, das Rauchen auf dem Zimmer mit dem massiven Einsatz von Weihrauch-Räucherstäbchen zu verschleiern. Leider ging der Rauchmelder los. Es gab Feueralarm, alle mussten so, wie sie gerade waren, auf den Hubschrauberlandeplatz, die Feuerwehr rückte mit 3 Löschzügen an und die Dame durfte noch am selben Tag nach Hause fahren.

 

Einige sehr übergewichtige Patienten und Patientinnen konnten ihre Fresssucht überhaupt nicht zügeln. Was nützt es, wenn man auf der „Quarkstraße“ (Bereich im Speisesaal, wo jeder eigentlich nur 1000 Kalorien täglich haben soll) sitzt, aber beim Frühstück und Abendessen 5 x zum Büffet rennt und den Teller randvoll mit den etwas gehaltvolleren Speisen füllt? Eine geistig etwas minderbemittelte Patientin, die eigentlich nur aus schwabbeligem Fett bestand, tönte einmal in unserer Runde: „Ich bin doch schlank!“ Ich konnte es mir nicht verkneifen zu sagen: „Schlank wie ein Reh, oder wie heißt das große graue Tier mit dem Rüssel?“ Fortan machte sie um den Platz, wo ich mich aufhielt, immer einen Bogen…

 

Ein anderer Patient war da noch etwas respektloser. Die nette Unterhaltung mit der besagten Dame möchte ich Euch nicht vorenthalten: Sie: „Ach ich würde viel lieber im Sommer hier sein, so mit Strand, Baden, Sonne und so.“ Er: „Du dürftest hier nicht zum Strand. Da halten sich Greenpeace-Aktivisten auf, die würden Dich immer wieder vom Strand ins tiefe Wasser schieben. Das machen die ja mit gestrandeten Walen so…“

 

Ich wünsche Euch allen ein Frohes Weihnachtsfest und ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr 2007. Ich bin sehr gespannt, was uns das Jahr an neuen Erkenntnissen bringt.

 

Danke für Eure lieben, teilweise „inhaltsschweren“ Weihnachtsgrüße.

 

Liebe Grüße

 

Edwin

 

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